11
Entscheidung bei Opel ist gefallen
Detroit (USA)/Rüsselsheim, 10. September 2009 – Monatelang wurde über die Zukunft des stark angeschlagenen Autobauer Opel spekuliert. Seit heute ist die entscheidung amtlich: Der Mutterkonzern General Motors hat einen verkauf an die Firma Magna beschlossen.
Absicht bekundet
Der GM-Verwaltungsrat unter Vorsitz von Edward Whitacre unterstützt ein Kaufangebot für den Mehrheitsanteil am europäischen Opel/Vauxhall-Geschäft von einem Konsortium, bestehend aus Magna und der russischen Sberbank. Allerdings müssen in den kommenden Wochen noch einige wichtige Punkte abschließend geklärt werden, um verbindliche Vereinbarungen zu erzielen. Das Endergebnis würde vorsehen, dass Magna/Sberbank einen Anteil von 55 Prozent an Opel/Vauxhall erwirbt; GM behält 35 Prozent, die Mitarbeiter von Opel und Vauxhall werden mit 10 Prozent beteiligt. Opel/Vauxhall bliebe auch weiterhin im globalen Produktentwicklungsverbund von GM integriert. Nur so könnten laut dem US-Konzern Technologieträger wie der Opel Ampera zur Serienreife gebracht werden. GM-Boss Fritz Henderson betont, man werde auch weiterhin eng mit Opel und Vauxhall zusammenarbeiten.
Freude bei der Kanzlerin
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist zufrieden, dass General Motors sich dem Rat der Bundesregierung angeschlossen hat. Angela Merkel und die Kabinettskollegen haben sich vor Monaten auf das nun entstandene Magna-Angebot konzentriert. Hinter dem Verkauf ist nicht nur Magna, sondern auch der russische Partner GAZ und die russische Bank Sberbank beteiligt. Die russische Bank Sperbank hat letzte Quartal einen Gewinn von 120 Millionen Euro erwirtschaftet. Magna ist durch seinen Umsatz von knapp 24 Milliarden US Dollar im Jahr 2008, sowie seinen 71.000 Mitarbeitern und 247 Produktionsstätten auf Platz 4 der größten Autozulieferer der Welt. CEO von Magna ist der 73 Jährigen Frank Stornach.
Noch ist nichts amtlich
Offiziell lobte Merkel die Beharrlichkeit der Bundesregierung, unter der Hand zeigt man sich aber erleichtert, dass das Thema Opel vor dem Wahlkampf erst einmal vom Tisch ist. Allerdings könnten trotzdem noch einige Probleme auftreten, denn vor einem amtlichen Vertrag sind noch viele Fallstricke auszuräumen. Darunter fallen vor allem die schriftliche Bestätigungen der Arbeitnehmervertretungen, sowie schriftliche Vereinbarungen über die Kostenanpassungen. Dies bedeutet vor allem, dass Entlassungen und Werksschließungen noch nicht geregelt sind.. Hinzu kommt der Abschluss eines definitiven Finanzierungspakets der Regierungen von Bund und Ländern.
Magna als beste Lösung?
Kaum ist der Deal beschlossen, sehen Kritiker bereits Probleme: Sie werfen Magna-Boss Stronach vor, ohne Rücksicht auf Verluste seinen Traum vom größten Automobilhersteller zu verwirklichen. Ebenso ist nicht auszuschließen, dass andere Hersteller aufgrund der neuen Konkurrenzsituation Aufträge stornieren. Langfristig wird außerdem ein Ausverkauf von Opel-Technik nach Russland befürchtet. Eine weitere Hürde könnte die EU-Kommission werden, welche die finanziellen Hilfen der Bundesregierung unter die Lupe nehmen will.